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Mechthild Miketta

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1

Monday, February 2nd 2009, 2:19pm

2 Presseartikel zu Förderschulen

Liebe Nutzerinnen und Nutzer des Forums,

im Anhang stelle ich zwei Presseartikel aus dem Spiegel und der Zeit zur Diskussion, in denen ein sehr negatives Bild von Förderschulen in die Öffentlichkeit gegeben wird. Leider werden durch diese negativen Darstellungen in der Presse die Förderschulen in ein schlechtes Bild gerückt, die wirklich gute Arbeit hier wird entwertet. Auch die Elternschaft und Schülerschaft sind davon sehr betroffen!

Mich würde Ihre Meinung dazu sehr interessieren: Ich bitte Sie daher um Diskussion, schreiben Sie eine kurze oder längere Notiz dazu!


  1. "Die unverdünnte Hölle" (DER SPIEGEL 2/2009 vom 05.01.2009, Seite 26)
  2. "Am Ende des Sonderwegs" (DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01)

2

Sunday, February 22nd 2009, 2:38pm

Sie machen, was sie wollen ...

Alle Jahre wieder wird dieses Thema von SPIEGEL und ZEIT erneut "aufgekocht", doch dieses Mal erhält es besondere Brisanz. Kinder mit Behinderung sollen lt. UN-Konvention an Regelschulen unterrichtet werden - Deutschland hat sie inzwischen ratifiziert.

"Am Ende des Sonderwegs" (DIE ZEIT, 23.12.200acht) - ein armseliger Artikel! Ist SchülerInnen denn damit geholfen, wenn alle den gleichen Stoff vermittelt bekommen? Kinder mit anderen Begabungen, anderen Neigungen müssen andere Möglichkeiten zur Bildung erhalten. Förderschulen stellen eine solche Möglichkeit dar, Kinder mit Behinderungen behindertengerecht zu unterrichten. Wer SchülerInnen mit Behinderungen in Förderschulen als grundsätzlich abgeschoben betrachtet, sollte es doch wagen, dort mal für mindestens eine Woche zu hospitieren, um wenigstens einen kleinen Einblick in die Arbeit zu erhalten. Dass unser gängiges Schulsystem nicht das beste ist - na ja, aber ein System, das Kinder, die anders sind, gezielt fördert und ihnen hilft, in der Gesellschaft klar zu kommen, so eines zu verändern, ist doch Unsinn in höchster Potenz.

Auch stimmt es nicht, dass es "in weiten Teilen der Welt ... selbstverständlich" ist, dass Kinder mit Behinderung in Regelschulen unterrichtet werden. Ich lernte viele Schulen und Schulformen in allen Erdteilen der Welt (Australien noch nicht!) kennen, doch gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung stellt keinesfalls "in weiten Teilen der Welt" die Regel dar. Italien allerdings schaffte die Sonder(Förder)schulen tatsächlich bereits vor langer Zeit ab. Der Autor des ZEIT-Artikels beruft sich zur Untermauerung seiner Thesen zusätzlich auf die Existenz von ".. integrative(n) Eliteschulen, die lange Wartelisten führen und sich ihre nichtbehinderten Schüler aussuchen können". Und was geschieht mit blinden Kindern? Was mit den tauben Kindern? Und was erst recht mit den geistig- und schwerstmehrfachbehinderten Kindern? Was ist mit denen, für die unbestritten einfach andere und vor allem komplett anders zu vermittelnde Bildungsinhalte erforderlich sind?

Fest steht, dass es durchaus Probleme mit sich bringt, wenn Kinder mit Behinderung umfangreicher Betreuung während des Unterrichtes bedürfen oder sich aufgrund ihrer Behinderung durch laute Geräusche bemerkbar machen. Das würde das Lernklima in einer Regelschule ohne Zweifel belasten. Ich frage mich, welche Förderschulen der im Artikel zitierte Hans Wocken (Uni Hamburg) aufsuchte, um festzustellen "... doch in Sondeschulen herrscht eine regelrechte Friedhofsruhe."? Dass allerdings Querschnittsgelähmte, die nur körperlich behindert sind, eine Regelschule besuchen, ist auch in Deutschland weitestgehend übliche Praxis.

Und die Kinder ohne Behinderung? Wo bleiben die bei all den Überlegungen in Sachen integrativen Unterrichtes? Sie klagen teilweise über Kopf- und Bauchschmerzen, gehen nicht gern zur Schule, sind teilweise bedrückt und unglücklich, weil sie vom Lernen abgelenkt werden und nicht die ihnen vom Lehrplan abverlangten Leistungen zu erbringen vermögen. Sogar Kinder, die zuvor integrative Kindertageseinrichtungen besuchten - ohne Bauchschmerzen!

Ist das vielleicht "Die unverdünnte Hölle" (SPIEGEL, 5.1.2009)? Sicherlich unbestritten ist, dass die Integration von Menschen mit Behinderung in unsere Gesellschaft noch lange nicht das Optimum erreicht hat, jetzt aber den Förderschulen und den dort tätigen Lehrkräften die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, die ja offenbar sowieso nichts anderes machen als "Topfschlagen", entbehrt jeglicher Grundlage. Dabei fördert Topfschlagen ein Spiel mit stark auditivem Charakter, das u.a. motorische und psychische Reaktionen besonders bei Mehrfachbehinderten und Rollstuhlfahrern hervorruft.

Wie die Autorin in ihrem Artikel Meinungsmache hinsichtlich der Qualität des Unterrichtes an Förderschulen betreibt, ist absolut undifferenziert und einfach nur lächerlich. Auch mir ist bekannt, dass es auch an Förderschulen Dinge gibt, die grundlegend falsch liefen, laufen oder so nicht passieren dürfen. Mir geht es allerdings darum, dass dieser Artikel einfach nur schlecht recherchiert ist, von (sicherlich bedauerlichen) Einzelschicksalen handelt und den schulischen Alltag an Förderschulen so darstellt, als ob da inhaltlich gar nichts passieren würde. Mit einem derartigen Artikel, der zudem sehr einseitig formuliert ist, erreicht die Autorin des SPIEGEL-Atikels keine Veränderung - nichts, außer dass die Öffentlichkeit ein negatives Bild über SonderschullehrerInnen erhält.

Integrations-Experten wie Georg Feuser ( vorm. Uni Bremen) und Hans Eberwein (vorm. FU Berlin) forderten bereits in den 1970er Jahren im Zuge der italienischen Anti-Psychiatrie-Bewegung die Integration aller Kinder und Jugendlichen mit einer Behinderung in die Regelschulen. Als junge, von der Idee begeisterte Studentin stellte ich mir allerdings schon damals die Frage, wie diese Idee in die Praxis umgesetzt werden könnte und welche Probleme dies mit sich bringen würde. Integrativer Untericht an der Regelschule oder Unterricht an der damals noch Sonderschule genannten Förderschule? Und wie könnte integrativer Unterricht für alle Kinder mit einer Behinderung, egal welcher Art, realisiert werden, ohne das gegebenenfalls Benachteiligungen entstehen? Oder ob schulische Integration nicht doch unbewusst zwischen integrationsfähig und integrationsunfähig selektiert? Fragen, die offenbar auch nach 38 Jahren noch nicht ausreichend geklärt sind.

Grundsätzlich freue ich mich darüber, dass in Deutschland jedes Kind das Recht auf Schule und individuelle Förderung besitzt, doch ich glaube auch, dass es sehr viele SchülerInnen gibt, für welche die Förderschule der weit bessere Förderort ist. Außerdem darf Integration nicht erst mit der Einschulung in eine Regelschule beginnen und bereits nach dem 4. Schuljahr wieder enden. Kinder mit den verschiedensten Einschränkungen müssen vom Tag ihrer Geburt zur Gemeinschaft aller Kinder gehören - und dann ist es egal, ob sie eine Regel- oder eine Förderschule besuchen. Wir brauchen keine Schuldzuweisungen, sondern gemeinsame Lösungen, benötigen RegellehrerInnen und SonderpädagogInnen, die zusammen arbeiten: Jeder gibt sein Wissen dazu und als Team könnte es vielleicht gelingen, dass Regelschulen besondere Kinder fördern können und umgekehrt Förderschulen RegelschülerInnen aufnehmen. Wie schön wäre es, wenn Kinder mit und ohne Behinderung den gleichen Schulhof, die gleiche Pauenhalle benutzen würden, miteinander kommunizierten - wie auch immer - und wirklichen Umgang miteinander pflegten, statt Pseudointegration zu leben.

Simon

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3

Wednesday, May 27th 2009, 4:45pm

Quoted

Christopher, 16 Jahre, Klasse 10, LB-Abschluss H

Pro:
  • Kleine Klassen
  • Viel Sport
  • Abschlüsse bis zum Hauptschulabschluss mit Quali
  • Werken / Computer AG
  • IFD / Arbeitsamt
  • Busbeförderung
Kontra:
  • Hausaufgaben nach 8 Stunden
  • Wechsel zur Regelschule
  • Schule ist weiter weg
  • Wenig Freizeit nach der Schule
  • Manchmal muss man auf langsamere Schüler warten
Ich finde an Förderschulen gut, dass die Klassen kleiner sind als an der Regelschule. An vielen Förderschulen hat man viele Sportangebote und man kann Abschlüsse bis zum Hauptschulabschluss mit Quali. machen.

Gut ist, dass ich direkt von zu Hause mit einem Sonderbus zur Schule gebracht werde. Man hat Werken intensiver als an der Regelschule und es gibt eine Computer-AG. Die Schüler der Oberstufe werden vom Integrationsfachdienst (IFD) und Arbeitsamt in der Schule besucht und betreut. Das hilft uns bei unserer Zukunft.

Was mir nicht so gefällt ist, dass die Schulen weiter weg sind. Was mir nicht so gefällt ist, dass:
  • man wenig Freizeit nach der Schule hat
  • man manchmal auf langsamere Schüler warten muss im Unterricht
  • Hausaufgaben nach 8 Stunden Schule noch aufgegeben werden
  • der Wechsel an die Regelschule selten möglich ist
Für mich war es Glück eine Förderschule zu besuchen, die mich so weit gebracht hat, dass ich wahrscheinlich im August eine Ausbildung anfangen.

Quoted

Anna, 17 Jahre, Klasse 10

Pro Förderschule
Ich finde unsere Schule gut weil:
  1. Hier gibt es ein Snoezel-Raum für die Kleinen.(Schwerstbehinderten)
  2. Man bekommt Ergo,KG,Motopädie( wer braucht).
  3. Gute Förderung gibt es auch(so dass man ein guten Abschluss bekommt)
  4. Man findet schnell Freunde.
  5. Alle werden so akzeptiert wie sie sind.
  6. Auf unserer Schule gibt es Aufzüge.
  7. Man hat sehr viel Spaß!
  8. Wir haben 4 Pausen, weil wir 8 Stunden haben(jeden Tag außer freitags).
  9. Wir haben keine Schule am Wochenende( wie manche Schulen).
  10. Wir bekommen nicht viele Hausaufgaben auf.
  11. Man hat keinen Streß mit den Lehrern.

Kontra Förderschule
Es gibt aber auch leider für diese Schule Macken:
  1. Die Schule ist 15:10 erst aus( freitags nicht).
  2. Die Freunde aus der Schule wohnen nicht in der Gegend.
  3. Ich wohne in Werne, und deswegen habe ich lange Autofahrt.
  4. Blöd find ich auch immer so früh auf zu stehen(6 Uhr).
  5. Nach der Schule hat man weniger Freizeit( in der Woche).
  6. Und nach 8 St. muss man noch Hausaufgaben machen (kann man sich aufteilen).

Quoted

Stefan, 18 Jahre, Klasse 10 – LB-Abschluss

Die unverdünnte Hölle????

Ich finde die Förderschulen gut, weil weniger Schüler in einer Klasse sind. Es gibt mehr Sportangebote in der Schule. Als Behinderter lernt man auf der Förderschule mehr als auf der Regelschule. Jeder Schüler wird im Kleinbus abgeholt.

In der Förderschule herrscht keine Friedhofsstimmung. Jeder Schüler wird nach seinen Möglichkeiten unterrichtet. In unserer Schule werden Hauptschüler und Lernbehinderte zusammen unterrichtet. Aber es gibt auch Nachteile, z. B. dass man kaum Freizeit hat. Nach der Schule muss man noch die Hausaufgaben machen.